„Ich kann nicht mehr in Jogginghose durch Schmölln gehen, weil einfach jeder Bescheid weiß.“, sagt uns Alex an diesem einen Tag in Magdeburg.

„Alles klar.“, denken wir uns. Per se erstmal fast ein bisschen kritisch, wenn man seinen swaggigen Lebensstil nicht mehr einfach so ausleben darf und sich nicht mal kurz seine Joggingbuchse überschmeissen kann, um seine Freshness in der City zu representen.

Warum Alex, Coach von den Eagles aus Schmölln, das aber insgesamt gar nicht ganz so schlimm findet: ohne Schlabberfummel ist er seinem Lebenstraum schon um viele Taler näher gekommen – Cheerleading-Mekka USA!
Wie Trainer & Team sich ihre große Reise zu den UCA International All Star Championships in Orlando fast vollständig durch Spenden finanziert haben & welche geheimen Tipps und heißen Tricks die Schmöllner in petto haben: weiterlesen.

Über Hof nach Orlando

Seitdem er im Cheerleading aktiv sei, sagt uns Alex, war für ihn immer klar: irgendwann muss es mal nach Orlando gehen. Sonne, USA, Cheerleader-Mekka und so. Um das Projekt Lebenstraum anzugehen, stieg das Thüringer Team in den Ring um den Bid-Battle. Eine von Varsity Europes German All Levels in Hof 2017 war es, schon vor der Routine war so ziemlich fest, dass es mit der Quali auf jeden Fall was werden würde – weil sie das einzige Team in ihrer Division waren.

Auf dem Floor selbst lief es dann gar nicht mal so gut: Verletzungen, Drops, alles nicht ganz so rosig.
„Die Reaktionen nach der GALC waren eher gemischt. Weil wir nicht wirklich das zeigen konnten, was wir zeigen wollten und wegen der Verletzungen und so. Aber trotzdem haben wir uns auch gefreut, weil wir das zusammen durchgezogen haben. Dass wir das Bid wirklich in der Tasche haben, haben wir dann auch erst auf der Heimfahrt realisiert. Einfach voll krass so.“, säuselt uns Alex in astreinem Ost-Thüringer-Schmölln-Schnack entgegen.

Zirka 14 Tage lagen zwischen der Bid-Errungenschaft und dem letztendlichen Entschluss, auch wirklich nach Amerika zu fliegen. „Erstmal, weil es einfach Amerika ist. Aber auch, weil wir zeigen wollen, dass mehr in uns steckt.“

16 Aktive plus Betreuer – wie kriegt man seine Gang über den Teich ohne entweder ziemlich reich zu sein oder ziemlich viel Glück zu haben? Mit einer dicken Schippe Hartnäckigkeit, riesigem Wille und einem noch größeren Herz, wissen wir ein paar Minuten später.

„Wollt ihr Amerika kaufen oder was?“

„Wir sind eigentlich ziemlich blauäugig an das Projekt gegangen.“, erzählt Alex. „Wir dachten einfach, dass das ganze Projekt so 40.000 EUR oder so kostet. Ich hab dann mit Lisa [von Varsity Europe] gesprochen, ihr gesagt, was wir denken, was an Kosten auf uns zukommt. Naja. Und sie hat mich erstmal gefragt, ob wir Amerika kaufen wollen.“

Weniger als die Hälfte mussten die Eagles letztendlich berappen, knapp 17.000 bis 19.000 EUR gehen für die 11 Tage Orlando drauf. Mit dabei sind nicht nur Meisterschaftsgebühren und Flüge, sondern auch die Unterkunft in einer Riesen-Villa und drei Mietwagen. Gerade mal 350 EUR Eigenanteil müssen die Eagles selbst in den Topf schmeißen – für Verpflegung und Sprit vor Ort. 

Über ein Jahr auf Spendenjagd

Dass soviel Kohle nicht von heut auf morgen rumkommt (außer man ist selbst Pilot und hat ein ziemlich großes Flugzeug oder Öl im Garten oder eine ziemlich kluge Geschäftsidee, mit der man in Nullkommanix Millionär wird), ist uns recht schnell klar. Dass das aber gar nicht so schlimm wäre, wenn es nicht mit einem Fingerschnipp geht & es auch mit kleinen Beträgen irgendwann klappt, macht uns Alex dann klar: „Das Gute ist, man muss die Quali ja nicht direkt im nächsten Jahr antreten. Wir haben uns im Dezember 2017 qualifiziert und fliegen jetzt im März 2019. Wir hatten also gut eineinviertel Jahre Zeit, Spenden zu sammeln.“

Neben Coach Alex hat sich von nun an ein 5-köpfiges Orga-Team (R-E-S-P-E-C-T geht vor allem raus an Bianca Michalski & Ralf Hofmeister) mit der Marmel voraus in die Bresche gestürzt. Innerhalb des Orga-Teams gab es klare Aufgabengebiete für jeden: eine Person kümmert sich um die Firmenakquise, eine andere um Radio & TV, die nächste um Gewinnspiele.

Neben Orga, einem starken Team und noch stärkerem Wille braucht es unbedingt jemanden, der durchhält und nicht aufgibt.
„Du kannst auf jeden Fall nicht sagen: ‚Ne, mach ich morgen.‘ NE! Musste jetzt machen und für eine Zeit mal alles hinten anstellen. Wenn Du Deinen Traum leben willst, musst Du einfach mal ein Jahr da durch.“

Auch wenn nicht direkt die Münzen klimpern, gibt es noch vieles darüber hinaus. Um mediales Interesse zu wecken, haben die Eagles Radiosender abgeklappert, waren beim MDR und im Frühstücksradio. 

 

RoadToOrlando -DANKE RADIO TOP 40- #25

Das Video wurde über YouTube eingebettet. Mit Abspielen des Videos erkennst Du die Datenschutzbestimmungen von Google an.

 

Zwar füllt das nicht das Bankkonto, aber die Umgebung wird aufmerksam. „Und nichts geht über regionale Betriebe“, sagt Alex.
Als Gegenwert für Geldspenden gab’s Sponsorplatzierungen auf Shirts oder Auftritte.
„Man sollte sich trotzdem nicht verkaufen. Und man muss mit viel, viel Ablehnung rechnen.“

Probiert, versucht, gemacht, getan und trotzdem kam nüscht dabei rum? Davon kann Alex & sein Team ein Liedchen trällern.
Deswegen haben wir gefragt:

Was geht denn absolut gar nicht?

Auch auf Spendenjagd und irgendwie will es nichts werden? Wisch Dir die Tränen aus dem Gesicht, hättest Du das hier mal eher gelesen: Dinge, die Dir nicht viel helfen. 

  • E-Mails: wird maximal überflogen und verschwindet sofort in der ewigen Versenke. Besser: anrufen, sich persönlich vorstellen.


  • unpersönliche Standard-Anfragen: gib Deinem potentiellen Geldgeber nicht das Gefühl, Du möchtest nur an die Knatze ran. (auch wenn es so ist) Besser: eine gemeinsame Ebene finden, Geschichten hinter dem Sport erzählen, menschlich sein.


  • zu schnell aufgeben: Alex verrät uns, dass Durchhänger auf der Spendensammelreise ganz normal sind. Vor allem, wenn längere Zeit nichts reinkommt. Trotzdem: durchhalten ist angesagt, irgendwann kommt ihr Eurem Ziel wieder näher.


  • Kleinstbeträge unterschätzen: wer den Pfennig nicht ehrt ist des Talers nicht wert, dies das. Also, lass es sich läppern. Wenn Du Spender hast, die Dir nur kleine Beträge schenken, dann kann sich Dein Geldbeutel trotzdem füllen.

Und, gibt’s auch noch was auf der anderen Seite?
Nach einigem an Knebelei, krassen Hypnosetechniken und roher Gewalt hat uns Alex seine geheimsten Geheimtipps in Sachen Bitch better have my money geflötet.

Hier kommen die besten Tipps aus dem Hause Schmölln!

Alex‘ Geheimtipps

  • Logistik-Unternehmen: warum auch immer, aber das scheinen die Big Bosse im Spenden zu sein. Bis zu 7500,- EUR gab’s für die Eagles von Logistik-Unternehmen. Trucker-Ärmel hochgekrempelt und Klinken geputzt, hier könnte es sich lohnen.

  • Bürgermeister-Schnack: ihr kommt aus einem kleineren Ort und beim Schlachter gibt’s immer noch eine Scheibe Gesichtswurst, auch wenn Du schon 26 bist? Der Weg ins Rathaus könnte sich durchaus lohnen! Erzähl Deinem Bürgermeister von Euren Visionen, berichtet, was ihr vorhabt. Auch wenn es nicht direkt die erste Mark gibt, gibt’s in der Orts- & Regionalpolitik einen Haufen an Möglichkeiten.


  • Sozialausschüsse kontaktieren: haben wir nicht grad was von Politik gesagt? Hier kommt das beste Beispiel: vielerorts gibt es Sozialausschüsse, die aus Mitgliedern verschiedenster Parteien bestehen. Unter anderem gibt’s bei vielen Sozialausschüssen unterschiedliche Förderungen. In Schmölln zum Beispiel entscheidet der Sozialausschuss jeden Monat auf’s Neue, was oder wer gefördert werden soll. Deswegen: hartnäckig bleiben!


  • Fördermittel von Lotto: Lotto fördert unter anderem Schulprojekte, Denkmalpflege, Inklusionsvorhaben und Sport. Die Eagles selbst haben dank Lottomittelüberschuss Spenden sammeln können, in den meisten Bundesländern gibt es ähnliches.
  • gute Kommunikation zum Verein: Dein Verein ist ein Mehrspartenverein? Sprich mit Deinem Verein, welche Fördermöglichkeiten bestehen. 

  • Förderung durch den Kreissportbund: der KSB haben verschiedene Fördermittel zur Verfügung. Für die Eagles übernimmt der KSB zum Beispiel den Transport zum Flughafen. Dinge, an die man nicht direkt denkt, die trotzdem absolut weiterhelfen!


  • Weihnachtsmarktbude: für all diejenigen, die ihr Bid erst im 2. Jahr nehmen: hilft nicht nur der Teamkasse, sondern auch dem Teambuilding. Waffeln, Schlüsselanhänger, Schleifen – in der wohligwarmen Weihnachtszeit geht so einiges, was Herz und Hand hat.



  • Flüge und Unterkunft im Reisebüro buchen: Du hast ein Reisebüro Deines Vertrauens? Unbedingt nach Angeboten oder besonderen Deals fragen!

  • Sponsoringmappe: schreib kein Standard-Bla Ba, bereite Dir eine Sponsoringmappe vor & stell Dich, wenns geht, direkt persönlich vor. Was in Eurer Mappe drin ist? Zum Beispiel Material von der Qualifikationsmeisterschaft mit hübschen Fotos. 

  • Spenden über paypal anbieten: steter Tropfen höhlt den Stein. Spendenmöglichkeiten über paypal anbieten, anbieten und immer wieder anbieten. Bei den Schmöllner kamen bisher gute 800 EUR an Kleinbeträgen rein. 


Apropos: wer für die Eagles aus Schmölln noch auf den letzten Metern spenden möchte, kann dies gern hier tun – ein Team mit soviel Durchhaltevermögen und so einem herzensgroßen Coach hat es mehr als verdient. 

Seid ihr selbst wahre Spendenprofis? Erzählt uns von Euren Erfahrungen in den Kommentaren.

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