Grad erst sind wir gefühlt aus der letzten Saison rausgestolpert, haben einmal kurz durchgeatmet, kurz unsere alte, ledrige Haut in der Sonne gebräunt und uns die ein oder andere Kaltgetränkschorle einverleibt, da fällt es uns wie die schuppigsten Schuppen von den Augen: die neue Saison ist eigentlich gar nicht mehr so weit hin – im Gegenteil! Wer es bis jetzt noch nicht getan hat, es wird allerhöchste Obereisenbahn, sich mit der Saison 19/20 zu beschäftigen.

Die neue Wettkampfordnung: seit Ende Juni 2019 am Start

Das Regelwerk für die frische CCVD Wettkampfsaison ist bereits Ende Juni in die Onlinewelt geflattert und wir haben endlich ein Auge auf die neue Wettkampfordnung geworfen. Wer bis hierhin mindestens auch so ein fauler Lauch war, wie wir, für den haben wir eine gute Nachricht: in den nächsten Zeilen Regelwerkcheck erfahrt ihr nicht nur die prägnantesten* Neuerungen und Änderungen zum vergangenen Jahr, Christoph als Teil des Ausschusses für Juroren, Regelwerke und Meisterschaften (längstes Wort der Welt, darum wird es mit AfJRM abgekürzt) hat uns ein paar unserer klügsten Fragen beantwortet.

*wenn Du jetzt denkst, Du könntest Dich haargenau auf unsere Aussagen verlassen, sagen wir Dir: tu es nicht! Regelwerk genau studieren sollte als verantwortungsvoller Coach auf jeden Fall drin sein.
 

Allgemeine Fragen

Bevor wir ins neue Regelwerk eintauchen (dabei beziehen wir uns übrigens beim detaillierten Regelwerksteil auf den Cheer-Bereich) wie diese Turmspringer ins spritzige Nass, beäugen wir ein, zwei allgemeine Fragen.

Wo gibt's das neue Regelwerk?
Das neue Regelwerk bzw. die Wettkampfordnung (vier verschiedenen Dokumente an der Zahl) wurden unter anderem auf der Website des CCVD, und zwar genau hier, veröffentlicht.
Ab wann ist das neue Regelwerk gültig & für welche Meisterschaften gilt es?
Gültig ist das Regelwerk ab Saisonstart im CCVD, das heißt ab der ersten (Landes-)Meisterschaft im November und über die gesamte Saison 19/20 einzuhalten.
 
Zum Geltungsbereich heißt es im Regelwerk: „Dieses Regelwerk gilt für alle Wettkämpfe, die im CCVD e.V. oder in dessen Mitgliedsverbänden ausgetragen oder von diesen unterstützt werden.
Diese Wettkampfordnung ist bindend für alle Teilnehmer an CCVD-Wettkämpfen.“
Heißt vereinfacht: für alle Verbandsmeisterschaften wie Landes-, Regional- oder Deutsche Meisterschaft. Das Regelwerk ist zwar an die internationalen Ebenen (wie zum Beispiel ECU, also den europäischen Dachverband, oder ICU, den Weltdachverband) angelehnt, ECU & ICU führen allerdings ihr eigenes Regelwerk.
 
Einige Ausrichter offener und verbandsunabhängiger Meisterschaften, wie zum Beispiel die Cheer Trophy, werten nach dem Regelwerk des CCVD, andere Veranstalter, wie Varsity Europe, führen sogar ein eigenes.
Wer denkt sich das Regelwerk aus und woran orientiert es sich?
Christoph hat uns dazu geschrieben: „Das Regelwerk wird in regelmäßigen Abständen auf den internationalen Standard hin geupdated. Dies geschieht hauptsächlich, um sich gleichermaßen mit dem internationalen Raum zu entwickeln und sich anschließend auf fortführenden internationalen Wettkämpfen unter gleichen Wettkampfbedingungen messen zu können.
Das Rules-Board des CCVD erarbeitet die Änderungen in Kooperation mit dem Cheer-Board. Svenja Breisch ist als Fachbereichsleiter der Kopf der Bearbeitung und setzt sich hier regelmäßig mit dem Cheer-Board, geleitet von mir, auseinander.“
Und wie lang dauert die Ausarbeitung?
Das Update nimmt je nach Masse unterschiedlich viel Zeit in Anspruch. Aber da neben all den Aufgaben neben Regelwerksupdate auch viel Arbeit auf den Ausschüssen liegt, ist es eine tägliche Aufgabe, die die Mitarbeiter bewältigen.“, sagt Christoph.

Genug allgemeines Gefasel, ab in die Änderungen und Unterschiede! Und weil neues Regelwerklesen immer ein bisschen wie „Finde die 5 Unterschiede im linken Bild“ für uns ist, sind wir immer so jappig auf das neue Ding, wie man eben auf ein Finde-5-Unterschiede-im-linken-Bild sein kann. (sehr also)

Vorhang auf für die eklatantesten Neuerungen, die wir Stück für Stück und in auftauchender Reihenfolge abackern.
 

Neuer Look

Es muss nicht immer die Alde mit dem Pferdeschwanz von Zuhause im Glück sein, damit Dinge ein freshes Makeover bekommen. Offensichtlichster Unterschied: das Regelwerk hat ein ordentliches Lift Up bekommen, kommt in neuer Optik & sogar in vier Teilen.
 

Regelkundeschulung

Weil alles immer digitaler wird, geht auch der CCVD bei seinen Regelkundeschulungen mit der Zeit: Regelfragentage, zu denen man mit dem Auto in einen kalten Schulungsraum gurken & mit einigen fremden Menschen abhängen musste, deren Fragen einen selbst allerdings nicht so interessiert haben, sind passé. Ab sofort gibt es die verpflichtenden Regelkundeschulungen digital auf dem CCVD Campus.
Die Anmeldung dafür erfolgt über das CCVD Backoffice (Teufelsding, was das alles kann!).
 

Trainerkompetenzen

Ganz früher soll unser ehemaliges Juniorteam mal von einer Muddi gegründet worden sein, die eigentlich Blumenverkäuferin war, Schiehrlieding genau so ausgesprochen hat und dabei eher an diese fluffigen Puschel gedacht hat. Vielleicht nur eine urban legend, nichtsdestotrotz wird es unerfahrene Coaches ohne fundierte Ausbildung bald nicht mehr geben, zumindest nicht im CCVD.
Im Regelwerk heißt es: 
 
„Ab der Saison 2020/2021 ist zudem für Coaches der teilnehmenden Vereine (in den Folgejahren auch für den Coach des teilnehmenden Teams) eine Cheerleading-Trainer-C-Lizenz* erforderlich:
 

  • Saison 20/21: Voraussetzung für DM-Start: mind. eine Cheerleading-Trainer C Lizenz im Verein
  • Saison 21/22: Voraussetzung für DM/RM-Start: mind. eine Cheerleading-Trainer-C-Lizenz im Verein
  • Saison 22/23: Voraussetzung für DM/RM/LM-Start: mind. eine Cheerleading-Trainer-C-Lizenz im Verein
  • Saison 23/24: Voraussetzung für DM-Start: mind. eine Cheerleading-Trainer C Lizenz pro Team
  • Saison 24/25: Voraussetzung für DM/RM-Start: mind. eine Cheerleading-Trainer-C-Lizenz pro Team
  • Saison 25/26: Voraussetzung für DM/RM/LM-Start: mind. eine Cheerleading-Trainer-C-Lizenz pro Team
 
Heißt: in sechs Jahren kann ein Verbandsteam nicht mehr starten, wenn der Trainer (oder zumindest eine gemeldete Person in dem Team) keine anerkannte Ausbildung hat.
 
Christoph kommentiert das für uns mit: „Cheerleading ist eine sich so wahnsinnig schnell entwickelnde Sportart, die auch in vielen Bereichen als Risikosportart definiert wurde. Gerade deswegen ist es umso wichtiger, dass alle Trainer sich regelmäßig fortbilden oder gar das erste mal ausbilden lassen.“ und weiter: „Für mich ist Qualifizierung von den anleitenden Kräften ein wichtiges Kriterium der Professionalisierung unserer Sportart.“
 
Recht hat er. Auch wenn sich die neue Regelung erstmal erschlagend anhört, bis 2025 gehen noch ein paar Lenze ins Ländle – also auf & Trainerausbildung starten!
 

Neues Level 7

Bereits nach Veröffentlichung des Regelwerks Ende Juni wurde in Frankfurt von den Landesverbänden & Sportbeirat über den Wunsch eines Zwischenlevels zwischen den Leveln 5 & 6 abgestimmt. Das Ergebnis: willkommen neues Level 7!
 
So krass, wie sich das anhört, ist es allerdings gar nicht. Das neue Zwischenlevel verschiebt einzig die Levelbezeichnung, das heißt:

  • Level 5 bleibt Level 5: im Regelwerk gibt es keine Änderungen
  • Das neue Level wird zu Level 6: das Regelwerksupdate ist in Arbeit
  • Level 6 wird zu Level 7: inhaltlich kommt es zu keinerlei Änderung, nur zur einer Umbenennung von 6 auf 7.
 
Das neue Level soll bereits auf den LMs angeboten werden, das Regelwerksupdate dazu schnellstmöglich veröffentlicht werden. (Ziel laut Verband Mitte August)

Wie spannend wird das denn?
 

Weiterqualifikation auf nationaler Ebene

Wer bis heute noch nicht mitbekommen hat, dass es zur Regio erst durch die Qualifikation über eine Landesmeisterschaft geht, hat lange erfolgreich abgeschaltet. Jetzt ist auch das bestätigt: um auf die Regio zu kommen, müssen 6 Punkte erreicht werden, für die Deutsche Meisterschaft braucht es wiederum 7 Punkte auf der vorangegangenen Regionalmeisterschaft.
 
Vorteil: kein langes Ausharren für die Teams mehr, bis die Regio-Rutsche durch ist, sondern man weiß direkt nach der Siegerehrung, ob man den nächsten Bus buchen darf oder nicht.
Außerdem richtet sich der neue Qualifikationsmodus nach dem Qualität statt Quantitäts-Anspruch – auf die nächste Ebene schaffen es ab sofort nur Teams, die die Quali-Punktzahl erreichen. Unabhängig davon, wieviele Teams im Starterfeld sind.
 

Grundsätzlich möchten wir belohnen, dass sich Teams im richtigen Level einordnen und eine levelgerechte Routines zeigen.

 
Christoph ergänzt: „Grundsätzlich möchten wir belohnen, dass sich Teams im richtigen Level einordnen und eine levelgerechte Routines zeigen. Das bringt mit sich, sich jetzt nochmal Gedanken um das richtige Level für das eigene Team zu machen. Gerade in großen Kategorien wird es immer schwerer sich zu qualifizieren, hingegen qualifizieren sich in kleinen Kategorien von vorne herein viel mehr direkt. Auch das wollen wir damit bearbeiten und allen Teams die gleiche Chance geben.“
 
Und außerdem: „Der Qualifikationswert wird sicher ein arbeitender Wert sein und sich über die Jahre anhand der Punkte verändern.“
 

Weiterqualifikation auf internationaler Ebene

Auch bei der Qualifikation zur Europameisterschaft hat sich eine Kleinigkeit geändert: ab sofort reicht es nicht mehr nur Erst- oder Zweitplatzierter auf der Deutschen Meisterschaft zu sein, zur EM kommt nur, wer 1. oder 2. und zusätzlich Bundesligist ist (heißt wiederum die Mindestpunktzahl der jeweiligen Bundesliga muss erreicht sein).
 

Neues Judging Criteria „Perfection before Progression“

Nicht erschrecken, wenn auf dem nächsten Wertungsbogen ein Wertungskriterium mehr rumlungert: ab sofort gibt es statt 100 zu erreichenden Punkten 120, da sich das Kriterium „Perfection before Progression“ mit 20 Punkten zum regulären Wertungsbogen dazuschlägt.
Bewertet werden sollen hier vor allem die Ausführung, sowie die Einbeziehung eines levelgerechten Skills.
 

Perfection before Progression als aktiver Leitsatz des CCVD

 
Was das genau heißt? „Dieser Punktbereich dient vor allem der klaren Rückmeldung zum aufgeführten Inhalt in Bezug auf die beiden Faktoren fehlerfreies & levelgerechtes Arbeiten. Perfection before Progression ist ja auch der Leitsatz unseres Verbandes. In der aktuellen Entwicklung vermissen wir dies aber in den aufgeführten Routines und wollen damit noch klarere Standpunkte besetzen und Teams belohnen, die diesen Leitsatz ernst nehmen.“, schreibt Christoph.
 

Passrichtlinien

Weil Pässe wichtige Schätze in der Verbandswelt sind (fanden wir schon immer!), gibt’s ab sofort ein extra Dokument, das sich ausschließlich den Passrichtlinien widmet. 
 
Mit dem meisten darin sind viele von Euch bereits in Berührung gewesen, nichtsdestotrotz kommen hier nochmal die wichtigsten frechen Facts von uns.
 

Antragsfristen

Dass Pässe (bzw. ID Cards) bis 6 Wochen vor der jeweiligen Meisterschaft beantragt werden können, ist nicht neu. Das ist aber anders: habt ihr diese Frist versäumt, könnt ihr für Euren Sportler immer noch einen Pass bekommen, vorausgesetzt, dass Backoffice ist noch nicht für Eure Meisterschaft geschlossen (das geschieht erst 4 Wochen vor der Meisterschaft). Spätdransein hat immer seinen Preis: für die verspätete Beantragung müsst ihr eine extra Bearbeitungsgebühr abdrücken.
 

Vereinswechsel nach der Transferfrist

Nach der Transferfrist am 1. August wird auch nach wie vor die Freigabe des alten, abgebenden Vereins benötigt. Das ist semi-neu: verwehrt der alte Verein die Freigabe aus einem nichtigen Grund („Shiva Mysteria Jane hat jetzt schon alle Teile unserer krass exklusiven Routine gesehen. Einmal machen wir sogar Radschlag auf einem Arm und unser Schlussbild ist eine, die einen Stretch zieht und die andern drumrum fallen auf einen Pistolenknall auf den Boden. Deswegen darf sie nicht wechseln.“), kommt der Fall bei der Bundespassstelle auf den Tisch. Sofern nicht Beitrags- oder sonstige finanzielle Schulden und nachvollziehbare Gründe vorliegen, wird der Wechsel meist trotzdem freigegeben. 

Genug Dokumente gewälzt, das soll es für’s erste gewesen sein. 

Das obligatorische Regelwerksupdate erfolgt wie immer im Herbst.

Noch keine Kommentare

Lass einen Kommentar hier.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.