Vielleicht liegt es daran, dass wir in unserer Cheerleading-Freunde-Blase sind, wenn wir nach einem Meisterschaftswochenende nach Hause kommen. Dann fließt in unserem Blut noch ein Sechserpack Energy, unsere Knopfaugen blinzeln nur noch im 2 Minuten 30-Takt und wir haben mindestens noch 2 Tage lang Cheerlieder-Torett (auf dem Sofa sitzen, muckelig „Zwischen Tüll und Tränen“ gucken und auf einmal brüllen: „THIS IS MY FIGHT SONG!“. Oder im 11.00 Uhr-Meeting abhängen, aufstehen  und „This is the part when I say I don’t want it. I’m stronger than I’ve been before!“ schreien. Oberpremium: Effekte mitsingen.). Und trotzdem sind wir noch in unserer kleinen, heilen Cheerleader-Welt. Wo man fröhlich andere Menschen auf Meisterschaften umarmt, Gänsehaut nach Routines von fremden Teams hat, das Herz aufgeht bei Freudentränen-weinenden Mamas & überstolzen Coaches.

Vielleicht schlägt die Realiät gerade deswegen noch härter ins Gesicht, wenn man beim nach Hause-Kommen durch die Social Media-Kanäle der Meisterschaften scrollt. Denn, dedeedeee, da tauchen sie auf und zertrümmern Deine heile Kuschel-Elmo-Welt wie wildgewordene 6-Jährige: Troll-Fans & Hater-Muttis – unter Ergebnislisten, in Facebook-Gruppen, auf Instagramseiten.

 

Abgekotzt und losgemotzt*

* Und das soll leider nur ein kleiner Teil nach einer einzelnen Meisterschaft sein – nachdem bereits ein Haufen ähnlicher Kommentare gelöscht wurde.

 

Woher kommen die Frust-Fans?

Tatsächlich auffällig: hinter solchen Kommentaren steckt meist nur wenig Hand & Fuß, aber noch höherer Frust. Muttis, Freunde, Eltern, denen die eigenen, enttäuschten Cheerleader zu Hause das Herz bluten lassen oder Teenie-Temperament auf Level High School Musical 2.

Auch wenn wir uns selbst erklären können, woher die regelmäßigen After-Competition-Ausraster kommen („After“ steht hier eher für „am Arsch“), finden wir: mehr als überflüssig – wegen Euch möchten wir gern regelmäßig ausrasten und finden Cheerleading manchmal kacke. Nur wegen Euch.

 

Und was bringt’s?

Achtung, jetzt kommt’s: gar nichts. Das Frustlevel ist manchmal dadurch schnell runter gefahren und man mag sich ein bisschen besser fühlen, ein bisschen wie der Robin Hood, der die Ungerechtigkeit in der Cheerleading-Welt aufgedeckt hat oder man steigt auf seinem eigenen Lässigkeitslevel eine Stufe nach oben, weil man ja jemand anderen runterbuttern konnte. Aber, Obacht: meistens geht der Schuss eher nach hinten los.

Auch wenn Cheerleader oftmals fast recht leicht zu beeindrucken sind („Oh Gott Petra-Shanya-Jasmin, es GLITZERT UND ICH MUSS ES HABEN!“) – der größte Teil der Gang ist alles andere als dumm: nach ein bisschen Stalking auf Level 0,5 kann man schnell zusammen zählen, woher der Wind weht und welches Team da grad heroisch verteidigt werden soll. Und die Girls, die am Meisterschaftstag nicht das Ziel erreicht haben, wofür sie vielleicht gekämpft haben, stecken ihren kleine Niederlage schneller ein, als die aufgebürstete Mutter zu Hause. Weil sie ihren Sport nämlich verstehen, weil meistens ein kluger Coach vorn steht, der den traurigen Gesichtern erklären kann, warum es dann doch nicht so geklappt hat. Und weil sie lieber Anlauf für die nächste Attacke nehmen.

Wirklicher Inhalt ist in gezeigten Kommentaren eher selten zu finden. Was aber oftmals ungewollt bleibt, ist ein unschöner Beigeschmack und ein schlechter Eindruck – nicht etwa von den Kommentatoren, sondern von denjenigen Teams, die der Schreiber mit seinem Ausbruch ins rechte Licht rücken will. Schade, denn die, die so lang und oft in der Halle stehen, können meist gar nichts für den wildgewordenen Mopp.

 

Troll-Tipps

Ey, aber was wären wir denn für ein uncooler Blog, wenn wir keine Tipps zum Sich-Bessern und Dinge-mal-Anders-Sehen geben würde.
Wenn auch Du also ein fieser Wut-Cheerleader bist: Tipps durchlesen, netter werden.

1. Nicht vergessen:

auch wenn die Cheerleader-Szene recht groß ist – Gossip und unnötige Ausraster verteilen sich noch immer ziemlich schnell.

2. Regelwerk lesen!

Bitte, Menschen die keine Ahnung haben, aber trotzdem schreiben: die Regeln und Wertungsmaßstäbe unserer Sportart sind ziemlich komplex und manchmal nicht allzu durchsichtig. Das Regelwerk der aktuellen Saison gibt es aber zu jedem Zeitpunkt im Jahr online: und zwar hier.

3. Regelwerk nicht verstanden oder keine Zeit zum Blättern?

Heißer Tipp Nummer drei: die eigenen Trainer fragen. Nach Meisterschaften bekommen die Coaches und Teams nicht nur ihre Ergebnisse, sondern auch die Wertungsbögen mit nach Hause. Neben den Punktzahlen für die einzelnen Bewertungsfelder gibt’s manchmal auch Kommentare, die zum Verbessern anregen oder Unklarheiten schnell aufklären können.

4. Immer noch ratlos?

Melde Dich bei den Judges direkt. Und guess what: die Jungs & Mädels, die auf Meisterschaften über die Punkte entscheiden, sind meistens waschechte Menschen (vielleicht sind wir uns nur bei ein, zwei Judges unsicher, ob da nicht doch ein Reptiloid hinter steckt), die Dir bei offenen Fragen sicherlich weiterhelfen können. Kontaktieren kann man die Jurykommission direkt per Mail: cheer-board@ccvd.de

4.1. Verschwörungstheorie aus dem Kopf räumen! (außer die mit den Reptiloiden vielleicht)

Nein, die Jury wertet nicht einzelne Teams besser, weil sie ein genau das Team sympathischer findet. Nein, die Jury wird nicht bestochen (wir werden, so der Cheergott will, zwar bald olympisch, ein Regionalmeistertitel bringt meistens dann aber eher doch wenig Geld ein. Oder auch gar keins.). Und nein, die Jury wertet auch nicht so, wie sie möchte. Um sich 6 Stunden + am Tag reines Cheerleading und Punkte um die Ohren hauen zu dürfen, müssen die Judges tatsächlich eine langwierige, anspruchsvolle Ausbildung durchlaufen.

5. Seid doch mal nett!

Guess what: Titel und 9 Punkte + gibt’s auf Meisterschaften nicht im hübschen Beauty-Geschenk-Tütelchen. Teams und Vereine, die sich an die Spitze, aufs Treppchen oder direkt an den Pokal kämpfen, arbeiten dafür. Und sie machen mindestens das Gleiche durch, wie der eigene Cheerleader. Sie entbehren ihre Freizeit, geben Freunden & Familie mal wieder den nächsten Korb, wenn sie eingeladen werden. Auch das Konkurrenz-Team steckt Verletzungen ein, beißt die Zähne zusammen, hat Schmerzen, lässt Tränen kullern. Und auch die anderen Girls & Boys würden alles stehen und liegen lassen, für ihr Team, weil sie es so abgöttisch hart lieben. Deswegen: SEID DOCH MAL NETT, ALTER! (ihr merkt, emotionales Thema bei uns) Applaudiert doch mal, weil die anderen einen übelst krassen Skill auf die Matte hauen, weil sie einfach genauso geackert haben. Rastet doch mal im Block aus, schreibt ihnen, wie hart ihr sie abgefeiert habt, zeigt doch mal Support – auch wenn sie nicht den gleichen Teamnamen auf der Uniform tragen.

Weil sie aber genau die gleichen Idioten sind, die Cheerleading so hart lieben, wie man selbst!

 

Das geht, wirklich.

Und wir sind uns ziemlich sicher, ne!, wir wissen sogar – in unserer Cheerleadingszene gibt es sogar richtig viel Liebe*. We swear, by the moon and the stars in the sky: schickt Euch zukünftig ein bisschen mehr #endlesslove und schneidet Videos mit Fotos Eures Cheer-BFFs zu diesem Song im Hintergrund.

*so viel Liebe geht da schon ab (was wir in den ersten 15 Sekunden gefunden haben):

Wir fiebern mit und wünschen allen Startern eine verletzungsfreie Meisterschaft. #cheerleading #rmost2017

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Zeigt mehr Liebe, Cheerkids. Hass gibt’s genug, auch außerhalb der Cheer-Welt. ❤

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